Geschwindigkeit

Es gibt Sportarten und Leistungsniveaus, da ist es nötig, Bilder wenige Sekunden nach Aufnahme zu posten. Wenn bei der Fußball-WM im Spiel England gegen Deutschland das entscheidende Tor fällt, dann wollen die Fans das entsprechende Foto im Grunde direkt online sehen und bejubeln können.

Abgesehen von solchen speziellen Ausnahmen ist bei entsprechend großen Events aber auch die reguläre Deadline knapp – beispielsweise berichtet Olympia-Veteran Jeff Cable von einer Frist von 14 Minuten nach Halbzeit- oder Abpfiff. Eine knappe Viertelstunde also, um die Bilder von der Kamera auf den Rechner zu laden, zu sichten, eventuell zu bearbeiten und zu versenden bzw. zu posten.

Um solche Fristen einhalten zu können, sind Disziplin und ein genau darauf ausgelegter Workflow unverzichtbar. Und wenn ich mich auch nicht auf einem Niveau bewege, auf dem solche Zeiten notwendig sind, bietet es sich natürlich an, sich mit dem Thema zu beschäftigen und den ein oder anderen Trick zu übernehmen. Die richtige Technologie spielt dabei eine nicht zu verachtende Rolle, hilft aber schlussendlich auch nur dem, der sie richtig einzusetzen weiß.

Ich schieße meine Fotos durchgängig in RAW. Weil ich regelmäßig vergesse, in der Kamera den korrekten Weißabgleich zu setzen, rettet mir das ebenso regelmäßig den Tag und ermöglicht das Anpassen des Weißabgleichs in der Nachbearbeitung. Allerdings heißt das auch, dass jedes Bild zwischen 20 und 30 MB groß ist. Von einem durchschnittlichen Handball- oder Hockeyspiel bringe ich rund 600 Bilder mit, das ergibt eine Datenmenge von grob 15 GB. Meine SD-Karten haben Lesegeschwindigkeiten von 95 MB/s – mit einem USB 3.0 Kartenleser sollten die Bilder dabei rein rechnerisch innerhalb von rund zwei bis drei Minuten kopiert sein. Im Praxisalltag werden das eher um die fünf Minuten.

Um bei der Übertragung der Bilder Zeit zu sparen, lade ich nach einem Spiel nicht alle Bilder auf den Laptop sondern nur eine Auswahl. Weniger Bilder bedeutet eine kürzere Übertragungszeit. Damit das funktioniert, schaue ich während des Wettkampfs immer wieder schnell an der Kamera durch die letzten Fotos, während die Action gerade beispielsweise am anderen Ende des Spielfelds stattfindet. Dabei markiere ich dann Bilder, die mir gut gefallen oder eine Situation gut wiederspiegeln (an Nikon-Kameras mit dem Schlüssel-Symbol).

Die Übertragung der Bilder auf den Rechner lasse ich danach von der Software Photo Mechanic durchführen. Die erkennt automatisch die von mir markierten Bilder (Option: „Locked Images only“) und lädt nur die auf den Rechner. Außerdem versieht es die Bilder direkt bei der Kopie mit den nötigen Metadaten: Veranstaltung, Ort und Copyrightinformationen – vorausgesetzt, ich habe das entsprechend vorbereitet. In Photo Mechanic gehe ich anschließend durch die geladenen Bilder und markiere diejenigen, die ich gleich verwenden möchte, mit einem Sternchen. Außerdem erweitere ich die Beschriftung um die abgebildeten Sportler. Das „Code Replacement“-Feature lässt mich dabei anhand einer vorher erstellten Liste aus Abkürzungen (bspw. „b9“) eine individuelle Beschriftung (bspw. „Lena FEINILER (Kurpfalz Baeren #9)“) einsetzen.

Hätte ich meine Bilder in JPG geschossen, könnte ich direkt in Photo Mechanic auch noch Zuschneiden und die Dateien direkt z.B. per FTP auf einen Server hochladen. Der Schweizer Sportfotograf Ulf Schiller erklärt diese Schritte und die generelle Arbeit mit Photo Mechanic leicht verständlich und unterhaltsam im Interview mit Stephan Wiesner.

Da ich mich aber für RAW-Fotos entschieden habe, ist in meinem Workflow hier noch ein weiterer Schritt nötig. Nachdem ich die Fotos mit Sternchen markiert und beschriftet habe, setze ich in Photo Mechanic einen Filter, der mir nur die Bilder mit einem Stern anzeigt. Die markiere ich alle, ziehe sie per Drag&Drop in Lightroom und starte dort den Import. Durch das Drag&Drop hat Lightroom für den Import nur die in Photo Mechanic markierten Bilder ausgewählt und der Import läuft in einigen Sekunden durch.

Eine kurze Anpassung von Belichtung, Lichtern, Tiefen, Weiß- und Schwarzregler, die erwähnte Anpassung des Weißabgleichs und fertig ist auch die Bearbeitung. Länger als zehn Sekunden Zeit lasse ich mir in der Regel nicht pro Bild. Bearbeitete Bilder werden statt mit einem mit zwei Sternchen markiert, wenn ich fertig bin, zeigt mir ein entsprechender Filter nur ebendiese. Schnell noch exportieren, versenden und auf die Uhr schauen. Bei den Kurpfalz Bären habe ich diesen Workflow bereits erfolgreich testen können und acht Minuten nach Abpfiff Bilder versendet.

Fazit: solche Zeiten lassen sich nicht mal einfach so halten, dafür sind Vorbereitung, Planung und Disziplin notwendig. Wer diese Arbeit aber investiert, der belohnt sich selbst mit einem schnellen Workflow und kann zeitnah Ergebnisse zeigen. Selbst ohne Zeitdruck lässt sich das Vorgehen noch anwenden, beispielsweise helfen die Markierungen in der Kamera auch dann noch, direkt die eigenen Favoriten zu finden, wenn man die Bilder nicht direkt zum Abpfiff schon anschaut. Den eigenen Arbeitsablauf mit etwas Abstand zu betrachten und zu überdenken lohnt sich allemal.